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Glasgitter, Glasgewebe oder Glasvlies: Was steckt in einer Alukaschierung?

Nicht jedes glasfaserverstärkte Alu-Laminat enthält dieselbe Textilstruktur. Gelege, Gewebe und Vlies richtig identifizieren und Muster vergleichbar dokumentieren.

Veröffentlicht 13. Oktober 2026 Aktualisiert 13. Oktober 2026 Leitfäden für PIR/PUR/WDVS 7 Min. Lesezeit

Ein verstärkter Aluminium-Verbund ist nicht automatisch mit Glasgewebe ausgestattet. Hinter Angaben wie „fiberglass reinforced“, „glass scrim“ oder „glass mat“ können unterschiedliche textile Strukturen stehen. Ein offen angeordnetes Garngelege, ein gewebtes Glastextil und ein nicht gewebtes Glasvlies sind nicht einfach verschiedene Namen für dieselbe Schicht.

Für die technische Beschaffung zählt deshalb nicht nur, ob eine Alukaschierung „glasfaserverstärkt“ ist. Es muss klar sein, welche Lage vorhanden ist, wie sie aufgebaut und mit den anderen Schichten verbunden ist und welches Merkmal tatsächlich geprüft wurde. Dieser Beitrag hilft bei der Beschreibung von Rollenmaterial und Mustern für Dämmstoffanwendungen. Er ersetzt keine materialspezifische Eignungsprüfung.

1. Drei Glasfaserstrukturen – drei verschiedene Angaben

Ein Glasgitter beziehungsweise Glasfasergelege (laid scrim) besteht aus angeordneten Garnen, die beispielsweise längs und quer verlaufen und an ihren Kreuzungsstellen oder durch eine Beschichtung fixiert werden. Zwischen den Garnen bleiben typischerweise offene Bereiche. In Herstellerunterlagen können außerdem dreiachsige Anordnungen vorkommen. Aus der Bezeichnung „scrim“ folgt allerdings weder zwangsläufig Glasfaser als Garnmaterial noch ein bestimmtes Gittermaß. ADFORS beschreibt auch Gelege aus anderen Garnen und mit optionalen zusätzlichen Trägerlagen. [1]

Ein Glasgewebe (woven glass fabric) entsteht durch das Verweben von Kett- und Schussfäden. Bindungsart, Garn und Dichte prägen die textile Struktur. Es ist damit etwas anderes als ein lediglich gelegtes und fixiertes offenes Verstärkungsnetz. Das Wort „Gewebe“ sollte nicht als pauschale Übersetzung für jede textile Verstärkung dienen. [2]

Ein Glasvlies beziehungsweise eine Glasmatte (glass veil/mat) ist dagegen eine nicht gewebte Faserstruktur. Bei einer nassgelegten Glasmatte werden Fasern verteilt und anschließend gebunden. Vlies und Gewebe können beide Glasfasern enthalten, unterscheiden sich aber in der Art der Faseranordnung. Die konkrete Bezeichnung bleibt an das dokumentierte Herstell- und Materialsystem gebunden. [2]

2. Eine Alukaschierung kann mehr als eine Glasfaserlage enthalten

Wie diese Unterschiede in einer realen Schichtenfolge auftauchen, zeigt Lamtec am benannten Produkt FG415 White Aluminum Foil/Scrim/Glassmat. Die Herstellerangabe führt eine Aluminiumfolie, einen Klebstoff, eine bidirektionale Glasfaserverstärkung und eine Glasfasermatte als getrennte Bestandteile. Das Scrim ist also nicht einfach die Glasmatte, und die Matte ist nicht automatisch ein gewebtes Glastextil. [3]

Ein anderes Beispiel ist ISOVERs Aluminium glass fabric composite B-Al/B-Gl. Hier nennt die Produktbeschreibung Aluminiumfolie, Klebstoff und Glasgewebe; sie unterscheidet außerdem zwischen Aluminiumseite und Gewebeseite als möglicher Außenseite. Das belegt eine konkret beschriebene Glasgewebe-Konstruktion, aber keine generelle Regel für sämtliche alukaschierten Dämmstoffe. [4]

Auch das bekannte Kürzel FSK (Foil/Scrim/Kraft) nennt nur einen Teil der Schichtenfolge. Lamtec R-3050 beschreibt beispielsweise neben Aluminiumfolie, Glasfaserverstärkung und Kraftpapier weitere Beschichtungs- beziehungsweise Klebstofflagen. Das Wort „FSK“ ersetzt deshalb weder ein aktuelles Schichtbild noch eine Materialrevision. [5]

3. Verstärkungsstruktur und durchgehende Funktionslage auseinanderhalten

Ein offenes Glasgitter kann als Verstärkung innerhalb eines Laminats vorgesehen sein. Seine Öffnungen bedeuten aber nicht automatisch, dass die fertige mehrlagige Alukaschierung durchgehend offen ist. Eine separat vorhandene Folie oder eine andere kontinuierliche Lage muss einzeln identifiziert werden. Umgekehrt macht der Ausdruck „Alu-Verbund“ aus dem Gelege noch keine geschlossene Dampfbremse.

Ein Glasvlies kann als Träger- oder Rückseitenlage Teil eines Verbunds sein. Daraus folgt jedoch nicht, dass es dieselbe Funktion wie ein Gewebe oder ein Scrim übernimmt. Die Rolle einer Lage ergibt sich aus dem tatsächlichen Aufbau und den zugehörigen Anforderungen – etwa Verarbeitung, Oberflächenkontakt, mechanischer Beanspruchung oder benötigten Nachweisen.

Dass eine Herstellerfamilie eine bestimmte Verstärkungsart verwendet, erlaubt außerdem keine allgemeine Rangfolge nach „stärker“ oder „besser“. Für Zug, Einreißen, Weiterreißen und Durchstoß werden unterschiedliche Messgrößen verwendet. Welche davon für ein konkretes Material relevant ist, hängt vom Prüfobjekt ab. Die Unterschiede der mechanischen Daten erläutert der GRECHO-Beitrag zu Zugfestigkeit, Weiterreißen und Durchstoß bei Alukaschierungen.

4. Was beim Muster über „Glasfaserverstärkung“ hinaus aufgeschrieben werden sollte

Zwei gleich aussehende silberne Rollen können verschiedene Rückseiten- und Verstärkungsstrukturen besitzen. Beginnen Sie deshalb mit der aktuellen Materialreferenz und Dokumentrevision. Wenn der Hersteller eine englische Bezeichnung wie laid scrim, woven fabric oder glass mat verwendet, sollte sie in der Unterlage erhalten bleiben und gegebenenfalls mit einer bestätigten deutschen Beschreibung ergänzt werden.

Danach wird jede Lage einzeln zugeordnet: Metallfolie oder metallisierter Träger, mögliche Beschichtung, Verstärkung, Rückseitenmaterial und Klebstoff. Bei einer Gelegestruktur können Garnart, Garnausrichtung und Maschenanordnung relevant sein; bei einem Gewebe sind andere textile Merkmale maßgeblich, bei einem Vlies wiederum Faser- und Bindungsstruktur. Diese Felder sind Fragen an die bestehende Dokumentation, keine von GRECHO festgelegte Einheitsspezifikation.

Ebenso wichtig ist die Kontaktseite: Welche Oberfläche wird bei der vorgesehenen Verarbeitung mit Schaum, Klebstoff oder einem anderen Substrat verbunden? Welche bleibt nach außen gerichtet? Bei zuggeschnittenen Mustern sollten die Materialseite und die gegebenenfalls definierte Maschinen- und Querrichtung erhalten bleiben. Eine fotografierte Rollenaußenseite belegt für sich noch nicht den späteren Kontakt im Laminat.

5. Strukturangaben nebeneinander lesen

Die Tabelle ist eine redaktionelle Zuordnungshilfe, keine Festigkeitsklassifizierung und keine Aussage zur Austauschbarkeit.

Technische Vergleichs- und Zuordnungstabelle
Bezeichnung in Unterlagen Struktureller Ausgangspunkt Beim Lieferanten klären Damit noch nicht bewiesen
Glasgitter / Glasfasergelege (laid scrim) Angeordnete, fixierte Garne; häufig offene Zwischenräume Garnmaterial, Gelegeanordnung, Fixierung, zusätzliche Trägerlage Eine durchgehende Barriere oder ein bestimmter Zug-/Reißwert
Glasgewebe (woven glass fabric) Verwebte Kett- und Schussfäden Gewebeart, dokumentierte Materialseite, Beschichtung und Kennwerte Gleichwertigkeit mit einem Gelege oder Glasvlies
Glasvlies / Glasmatte (glass veil/mat) Nicht gewebte, gebundene Glasfaserstruktur Vliestyp, Bindung, Flächenmasse, vorgesehene Funktion Eine bestimmte Gewebebindung oder universelle Verstärkungsleistung
Mehrlagen-Alukaschierung Folie beziehungsweise Träger plus weitere Lagen Vollständige Schichtenfolge, Kontaktseite, geprüfter Verbundzustand Dass Eigenschaften einzelner Lagen bereits für den ganzen Verbund gelten

Die Flächenmasse allein entscheidet diese Zuordnung nicht. Zwei Lagen mit ähnlichen Angaben in g/m² können eine unterschiedliche Faseranordnung besitzen. Auch eine gute Zugzahl einer vollständigen Kaschierung identifiziert nicht automatisch, welche einzelne Lage zu diesem Ergebnis beigetragen hat.

6. Eine Materialänderung muss die Vergleichsbasis offenlegen

Bei einem geplanten Wechsel von „Alufolie mit Glasgitter“ auf „Alufolie mit Glasvlies“ ist zunächst zu fragen, ob nur die Verstärkung ausgetauscht wird oder zugleich Folie, Beschichtung, Kleber und Rückseite wechseln. Fehlt diese Trennung, kann ein Unterschied zwischen zwei Mustern nicht einfach der Glasfaserstruktur zugeschrieben werden.

Eine belastbare Musterkennzeichnung verbindet deshalb Rollen- und Chargenreferenz, Schichtenfolge, Dokumentstand und Materialseite. Wenn mehrere Materialien gemeinsam im Laminat wirken, benötigen Vergleichsergebnisse die tatsächliche Probenidentität und die benannte Prüfmethode. Ein einzelnes Marketingetikett „heavy duty“ oder „reinforced“ ersetzt keine dieser Informationen.

Ein redaktionelles Anfragebeispiel – kein dokumentierter Kundenfall:

„Wir vergleichen zwei Alukaschierungen für denselben Dämmstoffprozess. Bitte bestätigen Sie, ob die Glasfaserlage als Gelege, Gewebe oder Vlies ausgeführt ist. Benennen Sie die vollständige Schichtenfolge, die für unsere Verbindung vorgesehene Kontaktseite und die vorhandenen Prüfwerte des vollständigen Materials. Unbestätigte Angaben sollen im Musterblatt offenbleiben.“

7. Materialstruktur klären, dann den anwendungsgerechten Facer prüfen

Die Strukturfrage ist der Beginn, nicht das Ende der Auswahl. Auch die Metalllage muss korrekt identifiziert sein: Eine gewalzte Aluminiumfolie ist nicht dasselbe wie ein metallisierter Kunststoffträger. Die Unterschiede beschreibt der Beitrag Aluminiumfolie oder metallisierte PET-Folie.

GRECHO unterstützt die Abstimmung anwendungsbezogener Glasfaser-Kaschierungen, die Musterbewertung und die Koordination verfügbarer technischer Unterlagen. Teilen Sie dazu den Dämmstofftyp, die beabsichtigte Funktion, die vorhandene Schichtenfolge und die offene Vergleichsfrage mit. Ob ein konkreter Verbund für die fertige Dämmplatte geeignet ist, muss anhand des tatsächlichen Produkts und seiner Anwendung geprüft werden.

Informationen zur Materialabstimmung finden Sie unter Kaschierungen für PIR/PUR-Dämmplatten.

Häufige Fragen

Ist ein Glasgitter dasselbe wie ein Glasgewebe?

Nicht generell. Ein gelegtes, fixiertes Garnnetz und ein verwebtes Textil unterscheiden sich in der Faseranordnung. Entscheidend sind die konkrete Herstellerbezeichnung und der tatsächliche Aufbau.

Sind Glasvlies und Glasgewebe austauschbare Rückseiten?

Das lässt sich aus dem gemeinsamen Ausgangsmaterial Glas nicht ableiten. Faseranordnung, Bindung, Beschichtung und Funktion der jeweiligen Lage müssen für den beabsichtigten Verbund geklärt werden.

Macht ein offenes Verstärkungsgitter die komplette Alukaschierung luft- oder dampfdurchlässig?

Nicht automatisch. Das Gitter ist nur eine Lage. Ob der Gesamtverbund eine geschlossene Barriere bildet, hängt auch von Folien, Beschichtungen, Übergängen und dem geprüften Zustand ab.

Ist die höhere Grammatur immer die stärkere Verstärkung?

Nein. Die Flächenmasse beschreibt nicht allein Garnanordnung, textile Struktur oder das Verhalten im Laminat. Für eine mechanische Frage werden geeignete Daten des richtigen Prüfobjekts benötigt.

Was sollte ich für eine erste Musteranfrage angeben?

Hilfreich sind die vollständige Schichtenfolge, Verstärkungsart, jeweilige Kontaktseite, Materialrevision, Rolle/Charge, Dämmstoffanwendung und die zu klärende technische Anforderung.

Quellen und Anwendungsgrenze

  1. Saint-Gobain ADFORS: Laid Scrim – öffentliche Beschreibung des offenen Geleges, seiner Garne, Fixierung und möglicher Träger; keine allgemeine Materialspezifikation.
  2. Saint-Gobain ADFORS: Industrial Fabrics OEM Brochure – Prozessabgrenzung zwischen Gelege, Weben und Glasmatte; ältere Herstellerbroschüre, keine aktuelle GRECHO-Prüfung.
  3. Lamtec: FG415 – White Aluminum Foil/Scrim/Glassmat – Beispiel eines Verbunds mit gesondert gelisteten Gelege- und Vlieslagen.
  4. ISOVER: Aluminium glass fabric composite B-Al or B-Gl – Beispiel einer Aluminium-/Glasgewebe-Konstruktion mit zwei möglichen exponierten Seiten.
  5. Lamtec: R-3050 Foil/Scrim/Kraft – konkretes FSK-Beispiel mit zusätzlichen Materiallagen.

Dieser Beitrag enthält keine GRECHO-Messwerte, keine verbindliche Verstärkungsrangfolge und keine Gleichwertigkeitsfreigabe zu den genannten Herstellerprodukten. Beispiele anderer Anbieter belegen weder eine Lieferbeziehung noch die Eignung eines GRECHO-Materials.

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GRECHO unterstützt bei der Prüfung der passenden Produktrichtung, des Musterwegs und des Umfangs technischer Daten.

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