Einblicke / Akustikanwendungen

Klebstoffauftrag bei Akustikvlies: Nassmenge, Feststoffmenge und Verteilung

Eine g/m²-Angabe benötigt Masse, Zustand und Bezugsfläche. Der Beitrag erklärt den bedingten Nass-/Trocken-Zusammenhang, gleiche Feststoffmengen bei unterschiedlichem Nassauftrag und die eigenständige Rolle der Verteilung.

Veröffentlicht 14. Oktober 2026 Aktualisiert 14. Oktober 2026 Akustikanwendungen 6 Min. Lesezeit

Ein Klebstoffauftrag in g/m² ist erst eindeutig, wenn Masse, Bezugsfläche und Zustand benannt sind. Nassauftrag, rechnerisch geschätzter trockener Feststoffauftrag und die Verteilung des Klebstoffs sind drei unterschiedliche Informationen. Zwei Anwendungen können dieselbe geschätzte Feststoffmenge aufweisen und trotzdem verschieden verteilte Klebschichten erzeugen.

Für die Kaschierung von Akustikvlies ist diese Unterscheidung praktisch: Die Angabe „gleiche Klebstoffmenge“ erklärt noch nicht, ob dieselbe Masse im gleichen Zustand auf derselben Fläche verteilt wurde. Sie belegt auch keine bestimmte Schallabsorption der fertigen Platte.

Was Nassauftrag und trockener Feststoffauftrag bedeuten

Nassauftrag bezeichnet im folgenden Rechenmodell die auf das Substrat aufgebrachte Klebstoffmasse vor einem relevanten Verlust flüchtiger Bestandteile, bezogen auf eine festgelegte Fläche. Bei einem wasserbasierten Klebstoff enthält diese Masse auch Wasser. Sie ist nicht mit dem verbleibenden trockenen Feststoff gleichzusetzen.

Der geschätzte trockene Feststoffauftrag wird dagegen aus dem Nassauftrag und dem Feststoff-Massenanteil berechnet. „Geschätzt“ ist hier wichtig: Eine Rechnung ist keine Messung der tatsächlich verbleibenden Klebschicht. Auch die Geometrie dieser Schicht ergibt sich daraus nicht.

Die umgangssprachliche Angabe „Trockenklebstoffmenge“ kann diese Unterschiede verdecken. Schreiben Sie deshalb im Vergleichsblatt aus, ob ein Wert berechnet, direkt gemessen oder lediglich als Sollangabe übernommen wurde.

Die Frage, welche Seite des Vlieses verklebt wird, ist davon getrennt. Unser Leitfaden zum Kaschieren von beschichtetem Glasvlies behandelt den Materialaufbau, die Kontaktseite und die Prozesszuordnung. Hier steht die richtige Beschreibung der aufgebrachten Menge im Mittelpunkt.

Eine einfache Rechnung – mit ausdrücklich genannten Annahmen

Für einen festgelegten Flächenbezug lässt sich zunächst rechnen:

Nassauftrag [g/m²] = aufgebrachte Nassmasse [g] ÷ Bezugsfläche [m²]

Wenn der Feststoff-Massenanteil des tatsächlich eingesetzten Klebstoffs bekannt ist, folgt als bedingte Schätzung:

Geschätzter trockener Feststoffauftrag [g/m²] = Nassauftrag [g/m²] × Feststoff-Massenanteil

Ein rein hypothetisches Beispiel: Auf eine Bezugsfläche von 0,12 m² entfallen 6 g netto aufgebrachter nasser Klebstoff. Daraus ergeben sich 50 g/m² Nassauftrag. Bei einem angenommenen Feststoff-Massenanteil von 50 % beträgt der geschätzte trockene Feststoffauftrag 25 g/m².

Diese Zahlen sind weder GRECHO-Messwerte noch eine Dosierempfehlung. Das Beispiel setzt voraus, dass die Nettomasse korrekt zugeordnet ist, noch kein relevanter Verdunstungsverlust die Nasswägung verändert hat, die Feststoffangabe als Massenanteil gilt und die zugerechneten Feststoffe im betrachteten Verbund verbleiben. Nicht berücksichtigte Übertragungs- oder Materialverluste können das Ergebnis von der tatsächlich verbleibenden Menge unterscheiden.

Ein Volumenanteil darf nicht ohne die erforderliche Grundlage als Massenanteil eingesetzt werden. Ebenso ist der Verbrauch aus einem Vorratsbehälter nicht automatisch die auf der untersuchten Fläche ankommende Nettomasse.

Dieses Verdunstungsmodell ist keine allgemeine Beschreibung für jeden Klebstoff. Bei Schmelzklebstoffen oder reaktiven Systemen müssen die verwendeten Begriffe und die Berechnungsgrundlage zur tatsächlichen Zusammensetzung und Verarbeitung passen. Eine errechnete Feststoffmenge bestätigt weder einen Trocknungszustand noch eine abgeschlossene Aushärtung.

Gleiche berechnete Trockenmenge, unterschiedlicher Nassauftrag

Die folgende Rechnung isoliert nur den Zusammenhang zwischen Nassmasse und Feststoff-Massenanteil. Beide Werte beziehen sich auf dieselbe Art von Bezugsfläche und dieselben Annahmen zur Feststoffretention.

Hypothetischer Massenvergleich – keine Rezeptur oder Prozessvorgabe
Anwendung Nassauftrag Angenommener Feststoff-Massenanteil Geschätzter trockener Feststoffauftrag
A 24 g/m² 50 % 12 g/m²
B 40 g/m² 30 % 12 g/m²

Das Ergebnis ist in beiden Fällen rechnerisch gleich. Trotzdem wurden unterschiedliche Nassmassen aufgebracht. Die Rechnung sagt außerdem nicht, ob der verbleibende Klebstoff als Punkte, Linien, Fasern oder zusammenhängende Schicht verteilt ist. Aus der gleichen Trockenmenge folgt daher weder ein gleicher Verarbeitungsablauf noch ein gleicher Verbund.

Die unterschiedlichen Anteile flüchtiger Bestandteile sind bei der tatsächlichen Verarbeitung mit den Unterlagen des Klebstofflieferanten abzugleichen. Aus der Tabelle lässt sich keine erforderliche Temperatur, Zeit oder Liniengeschwindigkeit ableiten.

Die Bezugsfläche entscheidet mit

Ein flächenbezogener Auftrag kann auf die gesamte betrachtete Substratfläche oder nur auf den tatsächlich mit Klebstoff belegten Bereich bezogen sein. Das sind unterschiedliche Nenner. Zwei Angaben in g/m² sind deshalb nicht schon vergleichbar, weil die Einheit übereinstimmt.

Die Formulierung „auf die gesamte Probenfläche bezogener Nassauftrag“ beantwortet eine andere Frage als „auf die belegte Fläche bezogener Auftrag“. Die Bezugsfläche muss in der Aufzeichnung erkennbar bleiben, insbesondere wenn diskontinuierliche Muster verwendet werden.

Dasselbe gilt für die zeitliche Zuordnung. Hat eine Probe vor der Wägung bereits Wasser verloren, beschreibt die einfache Massendifferenz nicht mehr ohne Weiteres den ursprünglichen Nassauftrag. Halten Sie deshalb den Zustand und den Bezug der Wägung fest, statt einen nachträglichen Wert ungekennzeichnet als frisch aufgebrachte Masse zu verwenden. Dieser Hinweis ist keine Wägeanweisung; das geeignete Vorgehen gehört zur jeweiligen betrieblichen und messtechnischen Festlegung.

Verteilung und Flächenabdeckung sind eigene Angaben

Die Menge beantwortet „wie viel“, die Verteilung dagegen „wo und in welcher Form“. Ein Gesamtmassenwert enthält keine Information über Musterbreite, Abstände, örtliche Anhäufungen oder Eindringtiefe. Ein einzelnes Foto wiederum zeigt nicht automatisch, wie viel Klebstoff im Verbund verbleibt.

Dass Auftragsmuster eigene Merkmale haben, zeigt beispielsweise die öffentliche Beschreibung des Nordson AltaSpray-c: Der Hersteller benennt unter anderem Klebstofffasergröße, Dichte und Musterbreite als steuerbare Merkmale. Das ist ein Beispiel aus der Schmelzklebstoff-Auftragstechnik, kein Nachweis für ein bestimmtes Akustikvlies oder für das zuvor erläuterte Nass-/Trocken-Rechenmodell. [1]

Für einen Materialvergleich ist deshalb eine getrennte Beschreibung von Menge und Verteilung sinnvoll. Sie kann sichtbar machen, ob zwei als „gleich“ bezeichnete Anwendungen tatsächlich vergleichbare Angaben besitzen. Sie legt aber nicht fest, welches Muster besser ist.

Vier Informationen, die nicht durch eine einzelne g/m²-Angabe ersetzt werden
Information Beispiel einer eindeutigen Beschreibung Was daraus nicht automatisch folgt
Masse und Zustand Nassauftrag oder geschätzter trockener Feststoffauftrag; Quelle und Zeitpunkt benannt. Die tatsächlich gemessene Restmasse oder ein vollständig ausgehärteter Verbund.
Bezugsfläche Gesamte Probenfläche oder abgegrenzte belegte Fläche. Vergleichbarkeit mit einem Wert, dessen Flächenbezug unbekannt ist.
Verteilung Bezeichnetes Muster und dokumentierte Flächenabdeckung im betrachteten Zustand. Eine bestimmte Menge, Porenoffenheit oder akustische Leistung.
Untersuchter Aufbau Vlies, Klebstoff, Kern und jeweiliger Zustand nachvollziehbar zugeordnet. Übertragbarkeit auf jede andere Platte mit demselben Vliesnamen.

Warum die Klebstoffmenge keinen NRC-Wert liefert

Ein Mengenvergleich ist eine Information über den Aufbau, keine Schallabsorptionsprüfung. ISO 354 beschreibt die Messung der Schallabsorption im Hallraum. ASTM E795 macht zudem ausdrücklich deutlich, dass neben den Materialeigenschaften auch die Einbausituation das Absorptionsergebnis beeinflusst. [2] [3]

Weder „weniger Klebstoff“ noch „offeneres Muster“ ergibt daher ohne passende Untersuchung einen höheren NRC- oder αw-Wert. Ein verändertes Auftragsmuster ist zunächst eine veränderte Konstruktionsangabe. Klebeverbindung, Oberfläche und Akustik müssen jeweils mit geeigneten Nachweisen bewertet werden.

Die Unterscheidung zwischen Einzelwerten und Frequenzkurven erläutert unser Beitrag zu NRC, αw und den Absorptionskurven von Akustikpaneelen. Welche Materialberichte eine Aussage über die fertige Platte tatsächlich unterstützen, behandelt der Leitfaden zu Prüfbericht und Nachweisgrenzen bei Akustikvlies.

Häufige Fragen

Reicht „25 g/m²“ als Angabe für einen Vergleich?

Nein. Es muss mindestens erkennbar sein, welche Masse in welchem Zustand und auf welche Fläche bezogen wurde. Der Wert bleibt außerdem von der Verteilung und vom untersuchten Verbund zu trennen. Die Zahl ist hier nur ein Erläuterungsbeispiel.

Ist ein berechneter Trockenauftrag ein Messergebnis?

Nein. Er ist eine Schätzung auf Basis des Nassauftrags, des Feststoff-Massenanteils und der genannten Retentionsannahmen. Eine Messung der tatsächlich verbleibenden Menge benötigt eine dafür geeignete, nachvollziehbar dokumentierte Grundlage.

Lässt sich die Flächenabdeckung aus der Trockenmenge berechnen?

Nicht aus der Trockenmenge allein. Ohne Informationen zur Geometrie und Verteilung sind unterschiedliche Muster mit derselben Masse möglich. Ein Mengenwert ersetzt deshalb keine eigenständige Beschreibung des Auftragsbildes.

Die nächste Materialbesprechung mit eindeutigen Angaben beginnen

Für eine gezielte Abstimmung nennen Sie die Akustikanwendung, die Vlies- und Kernreferenz, den bezeichneten Klebstoff sowie Masse, Zustand, Flächenbezug und Verteilung der betrachteten Anwendung. Benennen Sie anschließend die offene Frage: Geht es um die Zuordnung einer Mengenangabe, die Verbindung oder einen Nachweis für die fertige Platte?

GRECHO unterstützt die anwendungsbezogene Facer-Auswahl, die Musterbewertung und die Koordination technischer Unterlagen. Einen Einstieg bieten unsere Facer-Lösungen für Akustikdecken und Wandpaneele. Verarbeitungsfreigaben und Plattenleistungsnachweise werden dadurch nicht ersetzt.

Quellen und Einordnung

  1. Nordson: AltaSpray-c Applicators. Öffentliches Herstellerbeispiel für separat beschriebene Merkmale eines Schmelzklebstoff-Auftragsmusters; keine Empfehlung von Einstellungen oder Akustikleistung.
  2. ISO 354:2003. Öffentlicher Abstract zur Schallabsorptionsmessung im Hallraum; das vollständige Prüfverfahren wird hier nicht wiedergegeben.
  3. ASTM E795-23. Öffentlicher Geltungsbereich und Anwendungshinweis zur Montage von Proben bei Schallabsorptionstests nach ASTM C423.

Die öffentlichen Quellen wurden am 14. Oktober 2026 eingesehen. Rechnungen und Vergleichstabellen sind redaktionelle Erläuterungen. Sie enthalten keine GRECHO-Versuchsdaten, Klebstoffrezeptur, universelle Dosierempfehlung oder zugesicherte Plattenleistung.

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